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Unsere Sprache ist männlich

Sprache entwickelt sich in Abhängigkeit von der gesellschaftlichen Entwicklung, somit kann Sprache auch Auskunft über gesellschaftliche Strukturen und Prozesse geben. Gleichzeitig bewirkt die Verwendung der sprachlichen Strukturen im Umkehrschluss eine Bewusstseinsbildung bei den Benutzenden. Sprache gibt scheinbare Wirklichkeit wieder und kann so Rollenzuweisungen und auch Vorurteile festigen oder aufweichen. Auch kann eine Identitätsbildung über Verwendung von Sprache stattfinden.
Feministische Linguistinnen definieren sexistische Sprache als Sprache, die:
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Frauen ignoriert und ausschließt
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Frauen immer in Abhängigkeit vom Mann darstellt
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Frauen in traditionellen Rollen mit den sogenannten weiblichen Eigenschaften und Verhaltensweisen darstellt
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abwertend verwendet wird (Tussi, Hase etc.)
Ein wichtiger Punkt ist die Verwendung männlicher und weiblicher Endungen in der Sprache, da dies zur Sichtbarmachung der Frau beiträgt. Dem Argument, dass mit der Verwendung der männlichen Bezeichnungen Frauen explizit mitgemeint wären, muss entgegnet werden, dass so das '1ännliche als Norm nicht hinterfragt wird und Frauen so nur als Abweichung von der Norm auftauchen und genannt werden. Hierbei ist anzumerken, dass eine sprachliche Veränderung der Form immer in Verbindung mit dem Inhalt einer Aussage und gesellschaftlichen Veränderungen gesehen werden muss, da die Verwendung der nichtsexistischen Sprache sonst zu einer formalen, oberflächlichen Pflichtübung verkommt.
Innerhalb der feministischen Linguistik, die sich aus der Frauenbewegung der 60er Jahre entwickelte, zeigen sich zwei Richtungen:
1. die feministische Gesprächsforschung, die geschlechtsspezifische Unterschiede im Gesprächsverhalten untersucht und
2. die feministische Systemlinguistik, die die Analyse des Sprachsystems ins Zentrum ihrer Untersuchung stellt.
Zum Gesprächsverhalten von Frauen
Frauen verwenden deutlich häufiger Mittel zur Abschwächung von Aussagen in der Form von: Abschwächung der Aussage (es scheint, dass... etc.) Infragestellen und Zustimmungsheischen (ist es licht so, dass...? etc.) Selbstabwertung, Entschuldigung, Einladung (ich bin eben nur Hausfrau etc.) Indirektheit und Mittelbarkeit (indirekte Aufforderungen und Behauptungen sowie die Vermeidung der Ich-Form) Weiters zeigt es sich, dass tendenziell # Männer mehr reden als Frauen # Männer Anfang und Ende von Gesprächen signalisieren # Männer mehr urteilende, analytische Äußerungen machen # Frauen mehr unterstützende, ermutigende Bemerkungen machen oder Zustimmung oder Unentschiedenheit zeigen, oft in Form von Fragen
Vertritt eine Frau ihre Position mit einem persönlichen Standpunkt, dann verwendet der Mann eher allgemeine Standpunkte, da er sich so besser gegen die Frau durchsetzen kann. In der Gesprächsarbeit leisten die Frauen wesentlich mehr Arbeit. So sind ihre Redebeiträge meist thematisch weiterführend, Frauen gehen auch mehr auf die thematische Ausrichtung anderer ein, selbst wenn diese ihr Thema nicht beachten. Männer gehen eher von eigenen Positionen aus, die die thematische Ausrichtung anderer nicht wahrnehmen und sich stattdessen auf einen anderen Aspekt beziehen. Alle empirischen Untersuchungen, die bisher über die Redeanteile von Männern und Frauen in Situationen durchgeführt wurden, in denen beide Geschlechter anwesend waren, widerlegen das verbreitete und abwertende Vorurteil, dass Frauen "geschwätzig" wären.
Zur Unterordnung der Frau unter den Mann in der Sprache
Die Subsumierung der Frauen in der Grammatik unter männliche Pronomen scheint diskriminierende Realitäten zu festigen und zu verstärken. Es stellt sich daher die Frage über die historische und gegenwärtige Verwendung von Berufsbezeichnungen, Pronomen und "geschlechtsneutralen" Begriffen wie
z. B. "Mensch". Gegen die Verwendung dieses "generischen" Maskulinum (1) spricht, dass dieser keineswegs immer geschlechtsindifferent interpretiert wird, dass das Geschlecht einer Person nicht zu ihren zufälligen Eigenschaften gehört, nicht nur die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich, sondern auch die implizierten sozialen Folgen wid1tig sind und die geschlechtliche Zusammensetzung einer Gruppe für Frauen eine wichtige Information sein kann.
Linguistinnen wiesen die Verwendung des generischen Maskulinum als pseudogenerisch nach. Untersuchungen und Analysen zeigten, dass das Genus in der Vorstellungswelt der Menschen doch etwas mit dem Sexus zu tun hat. Das generische Maskulinum wird also in der Sprache des täglichen Lebens nicht der sprachwissenschaftlichen Theorie entsprechend geschlechtsneutral aufgefasst, sondern mit dem natürlichem Maskulinum gleichgesetzt, was zu einer Unsichtbarkeit der Frau in der Sprache führt. Frauen müsse also erst entscheiden, ob sie bei der Verwendung des generischen Maskulinum mitgemeint sind bzw. setzt die Verwendung des generischen Maskulinums ein gewisses Vorwissen voraus (z. B. bei den Franziskanern oder den Philharmonikern sind historisch gesehen Frauen nicht mitgemeint, da sie von diesen Gruppen ausgeschlossen waren oder noch immer sind).
Zur Sichtbarmachung der Frau sollte daher bei der Nennung von Paarformen nach dem Titanicprinzip vorgegangen werden: Frauen zuerst!
Weiters sind vier Formen der Sichtbarmachung anzuwenden:
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1. Lexeme wie Frau etc.
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2. Sufffixe: Zuschauer-in etc.
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3. Artikel: die Kranke etc.
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4. Attribute: weibliche Angestellte etc.
Leider muss davon ausgegangen werden, dass Sprachveränderungen, die der Staat beschlossen hat, sich nur schwer und langsam umsetzen lassen, was aber von ihrer Durchführung nicht Abstand nehmen lassen sollte. Auch muss ein gesamtgesellschaftlicher Konsens erzeugt werden, um dies Maßnahmen sinnvoll umsetzen zu können. Ebenso sollte die Wechselwirkung zwischen Sprache und gesellschaftlicher Realität genügend beachtet werden. Bei der Verwendung des angeblich neutralen Begriffes "Mensch" fällt auf, dass zumindest in der Geschichte des abendländischen Denkens die Frau häufig nicht inbegriffen war. So lässt sich ein Bogen männlicher Philosophen und Denker von Aristoteles über Kant bis hin zu Feuerbach und Marx schlagen, für die alle die Frau in der einen oder anderen Form als minderwertig, auf jeden Fall aber nicht als gleichwertig galt. Daher muss die Aussage, dass die Verwendung des Indefinitpronomens "man" in absolut neutraler Absicht geschieht, hinterfragt werden, da sich aus der Geschichte heraus der Schluss ziehen lässt, dass praktisch alle Indefinitpronomen auf das Männliche als Norm beziehen.
Sprechen über Männer - Sprechen über Frauen
Dieser Bereich umfasst das Erkennen stereotyper Auffassungen von Mann und Frau sowie die Analyse der Ursachen dieser Stereotype. Da der Zeitpunkt des Beginns des Aufweichens bzw. Änderns dieser Stereotype bereits im Kindesalter liegen muss, kommt dem Schulbuch besondere Bedeutung zu, da dieses durch (Nicht-) Verwendung stereotyper Rollenklischees ( z. B. Hausarbeit der Frau - Berufstätigkeit des Mannes) diese reproduzieren oder hinterfragen kann. Dabei ist die Analyse in Bezug auf die Rollenklischees erstens in der quantitativen Ausrichtung (wie häufig werden Mädchen und Frauen einerseits und Jungen und Männer andererseits in Wort und Bild dargestellt?) und zweitens in qualitativer Hinsicht (wie werden die beiden Gruppen dargestellt, welche Bereiche werden ihnen zugewiesen, welche Mittel der Darstellung werden verwendet?) vorzunehmen. Oft wird in Schulbüchern immer noch nach der Devise vorgegangen: "Männer gehen in die Welt - Frauen in den Haushalt oder auch "Jungen erobern die Welt - Mädchen den Haushalt". Die deutsche Wissenschaftlerin Rosemarie Nave-Herz stellte in ihrer Analyse von Deutschbüchern für das neunte und zehnte Schuljahr fest, dass 3/4 aller Hauptpersonen männlich sind. Durch die Tilgung der aus dem 19. Jahrhundert stammenden femininen Leitbilder wie Magd oder Bäuerin ist der Anteil in den letzten Jahren sogar zurückgegangen. Dadurch fehlen besonders den 12-14 jährigen Schülerinnen positive Identifikationsmodelle.
Auch in Geschichtsbüchern kommen Frauen so gut wie nicht vor. Geschichte machen sie allenfalls in typisch weiblichen Rollen oder in untypischen Rollen als Verderberin des Mannes (Kleopatra) oder Ersatzmann (Jeanne d'Arc). Frauenleistungen werden sogar in zumeist lächerlich machender Art und Weise dargeboten.
In Mathematikbüchern findet sich auch eine breite Palette an Klischees in Bezug auf die Rolle der Frau ebenso wie in Grundschulbüd1em. In der bildlichen Darstellung werden hierbei Bilder verwendet, die in keinster Weise der Realität entsprechen, so z B. wenn Mädchen mit Schleifen in den Haaren und rocktragend dargestellt werden.






