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Gewalt an Frauen: Ein Soziales Problem

Aus der Broschüre "Macht der Gewalt", heraugegeben vom Linzer Frauennetzwerk anlässlich dem 25. November, internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Macht der Gewalt Broschüre als Download (15 MB).

Gewalt an Frauen ist ein soziales Problem.

www.amnesty.atGewalt gegen Frauen zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Epochen der Geschichte. Mit der neuen Frauenbewegung hat zwar eine Enttabuisierung stattgefunden, dennoch ist das Ausmaß an Gewalt gegen Frauen nicht zurückgegangen. Um einen tragbaren Konsens, der Gewalt gegen Frauen verneint, zu realisieren, sind Änderungen in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung dringend nötig.

Das Problem Gewalt gegen Frauen wurde zwar inzwischen erkannt, es fehlen aber tiefgreifende und wirkungsvolle Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt an Frauen. Eine Begründung, warum diese fehlen, könnte im gesellschaftlichen Gewaltverständnis liegen: Gewalt an Frauen wird nicht als soziales Problem wahrgenommen. Das hat auch die nordamerikanische Wissenschafterin Donna Garske festgestellt.

Sie stellt sich die Frage, wie Gewalt an Frauen, ein real existierendes Problem zu einer von der Gesellschaft registrierten sozialen Tatsache wird. Nach der Erklärung von Smelser erfüllt ein „soziales Problem“ folgende Kriterien:


• Es muss für eine wichtige Institution dieser Gesellschaft bedeutsam sein. 

• Wichtige Normen der Gesellschaft werden durch das Problem verletzt.

• Das Problem besteht in einem Verhalten, das als nicht erwünscht und abweichend identifiziert wird.

• Das Problem muss ein signifikantes Ausmaß haben.

• Es muss der Gesellschaft Kosten verursachen.

• Es muss ein Problem sein, das durch verschiedene Maßnahmen verändert und eliminiert werden kann.


Für Donna Garske erfüllt Gewalt gegen Frauen alle von Smelser aufgestellten Kriterien. Das dennoch tiefgreifende Maßnahmen zur Beseitigung des Problems ausbleiben, zeigt, dass die Interpretation eine politische Angelegenheit ist. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, welche Rechte die Gesellschaft Frauen zugesteht. Noch immer ist das Bild der Frau in der Gesellschaft von Vorurteilen geprägt. Frauen werden auf die Rolle der Hausfrau und Mutter reduziert (Mutterschaftsideologie). Die nach wie vor aufrechte bürgerliche Werthaltung führt dazu, dass auch Gewalt an Frauen nur dann thematisiert wird, wenn es zur Dysfunktionalität der Familie führt. Somit sind Änderungen in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung dringend nötig. Nur so kann ein tragfähiger gesellschaftlicher Konsens, der Gewalt an Frauen in keinem Fall rechtfertigt und toleriert, erreicht werden.